Aus kleinsten Anfängen entstand vom späteren Wolfsburger Unternehmenssitz aus eines der größten Automobilunternehmen der Welt.
Ab 1934
Mit der Unternehmensgründung durch die "Deutsche Arbeitsfront" instrumentalisierten die National- sozialisten eine Vision, die seit der Jahrhundert- wende Automobilingenieure und die Öffentlichkeit faszinierte: der "Volkswagen". Ein Auto, das für Familien geeignet ist und unter 1000 Reichsmark kostet. Ferdinand Porsche, der 1934 vom Branchen- verband mit dessen Konstruktion beauftragt worden war, entwickelte mit seinem Team 1938 einen Prototyp eines serienreifen Fahrzeugs, den künftigen Käfer, der mit seiner unverwechselbaren Silhouette millionenfach Automobilgeschichte schrieb. Die Grundsteinlegung des Werks im heutigen Wolfsburg fand im Jahre 1938 statt. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde aus dem Volkswagenwerk ein Rüstungsbetrieb, in dem mehrheitlich ausländische Zwangsarbeiter arbeiten mussten.
Ab 1945
Ein ziviles Automobilunternehmen wurde das von den Alliierten beschlagnahmte Volkswagenwerk durch die britische Militärregierung, die im August 1945 einen ersten Produktionsauftrag über 20.000 Limousinen vergab. Im Dezember 1945 lief die Serienproduktion des VW-Käfers an, 55 Fahrzeuge wurden montiert. Darüber hinaus brachten die Briten eine engmaschige Kundendienst- und Händlerorganisation, die für Volkswagen typische Qualitätspolitik und die für den wirtschaftlichen Erfolg wesentliche Exportorientierung sowie die Mitbestimmung an den Mittellandkanal. Die Währungsreform 1948 und die Normalisierung der Außenhandelsbeziehungen setzten dann den kugeligen Sympathieträger endgültig auf einen Wachstumspfad.
Ab 1949
Von den Briten im Oktober 1949 in die Treuhänderschaft des Bundes und in die Verwaltung des Landes gelegt, stieg Volkswagen mit Käfer und Transporter im "Wirtschaftswunder" zum Symbolunternehmen Deutschlands auf. In den 1950er Jahren eröffneten neue Fabriken in Hannover und Kassel, später in Emden und Salzgitter. Auch im Ausland fuhr das Unternehmen von Erfolg zu Erfolg: 1947 begann der Export, 1952 gründete Volkswagen seine erste ausländische Vertriebsgesellschaft in Kanada, 1953 folgte die Produktionsgesellschaft "Volkswagen do Brasil Ltda.". 1955 feierte Wolfsburg dann den Bandablauf des millionsten Volkswagens nach Kriegsende.
Ab 1960
1960 zur Aktiengesellschaft umfirmiert und teilprivatisiert, entwickelte sich Volkswagen durch die 1965 erfolgte Übernahme der Auto Union GmbH, die 1969 mit der NSU Motorenwerke Aktiengesellschaft zur heutigen Audi AG vereinigt wurde, zum deutschen Automobilkonzern.
Ab 1970
Zwischen 1973 und 1975 meisterte Volkswagen den Übergang von den luftgekühlten Heckmotoren zu modernen Fahrzeugkonzepten mit wassergekühlten Motoren und Frontantrieb. Passat, Golf und Polo benennen drei Modellreihen, die bis heute den Kern von Volkswagen bilden. Mitte der 1970er Jahre erfand sich Volkswagen gleichsam neu, indem das Unternehmen mit seinen Produkten auf die veränderten weltwirtschaftlichen Verhältnisse nach dem ersten Ölpreisschock des Jahres 1973 reagierte. Volkswagen wurde zum innovativen Hersteller, der die gewachsenen Sicherheitsansprüche berücksichtigte und verbrauchsarme Motoren anbot.
Ab 1982
Groß geworden in Niedersachsen, erwies sich die frühzeitige Internationalisierung des Unternehmens, etwa durch den 1982 erfolgten Marktzutritt nach China, als Erfolgsgarant. Vor diesem Hintergrund konnte sich Volkswagen auch mit seinen in der Volkswagen Financial Services AG gebündelten Finanzdienstleistungen erfolgreich auf die Verhältnisse der Globalisierung einstellen. Die Bilanz von mehr als 107 Millionen gebauten Volkswagen spricht für sich. Die Volkswagen Aktiengesellschaft dient auch als das Dach für weitere Automobilmarken, wie Seat, Skoda, Bentley, Bugatti und Lamborghini, die im Konzernverbund attraktive Modelle für jeden Geschmack anbieten.
Ab 1992
In der schweren Weltwirtschaftskrise 1992/93 nahm der VW-Konzern einen strategischen Richtungs- wechsel vor. Volkswagen konzentrierte sich nun stärker auf die Anhebung der Produktvielfalt sowie auf die Steigerung der Arbeitsproduktivität und der Ertragskraft des Unternehmens. Zur Bewältigung der Unternehmenskrise begann der VW-Konzern mit der Reorganisation des Produktionssystems nach dem Vorbild der schlanken Fertigung. Zwischen 1994 und 1996 stieg die Arbeitsproduktivität im VW-Konzern um fast 30% an, während die Herstellungskosten infolge kürzerer Produktionszeiten sanken. 1997 dauerte die Kernfertigung des Polo 15 Stunden statt vormals 24 Stunden, die des Passat 22 Stunden statt 31 Stunden. Die Vorzüge der schlanken Fertigung nahmen für jedermann sichtbar in der vierten Generation des Golf Gestalt an, der 1997 an vier Standorten in Produktion ging.
Ab 2005
Im Werk Wolfsburg lief im Mai 2005 der 100-millionste Volkswagen, ein Touran, vom Band. Der Volkswagen Konzern stellt die seit über 50 Jahren erfolgreiche Kooperation mit der Allianz AG auf eine neue Grundlage. Durch Gründung einer eigenen Rückversicherung, der "Volkswagen Reinsurance AG", gewinnt die Volkswagen Financial Services AG stärkeren Einfluss auf die Entwicklung und Preisgestaltung der Versicherungsprodukte, um ihre Dienstleistungen maßgeschneidert auf individuelle Kundenbedürfnisse auszurichten. Im Jahr 2006 lieferte VW mehr Autos an Kunden aus als je zuvor. Weltweit setzte der Konzern 5,73 Millionen Fahrzeuge ab. Dies entsprach einem Zuwachs von 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Werk Wolfsburg läuft 2007 der 25-millionste Golf, ein Golf Sportline 1,4 l TSI, vom Band und im Werk Emden läuft der weltweit 15 millionste Passat vom Band.