Einen Oldtimer kaufen – Was muss man beachten?

Auf Stadtfesten fahren sie als Highlight in Kolonnen durch die Straßen und erregen ganz schön viel Aufmerksamkeit. Blitzende Karossen, denen man ihr Alter nur am äußeren Design ansieht. Ein Blick ins Fahrzeug zeigt hellbraune Ledersitze in makellosem Zustand, ein altertümliches Lenkrad und eine eindrucksvolle Armatur mit glänzenden, marmorierten Holzeinsätzen. Oldtimer sind immer noch faszinierend und scheinen ein Stück Geschichte in die Gegenwart zu bringen. Den richtigen Oldtimer zu finden ist allerdings nicht ganz einfach. Wartungen können aufwendig und kostspielig werden. Wichtige Facts und worauf du beim Kauf eines Oldtimers achten solltest, findest du weiter unten.

Lesedauer: 7 Minuten

Mercedes Oldtimer vor einem Gebäude bei Sonnenuntergang
© william-krause/unsplash

Was genau ist ein Oldtimer?

Den Begriff Oldtimer verwenden wir Deutschen sehr weitläufig. Er beschreibt Fahrzeuge wie Autos, LKWs, Busse, Motorräder und Traktoren, die eine bestimmte Altersgrenze überschritten haben. Auch Lokomotiven und Schiffe können sogar zu Oldtimern zählen. Grundsätzlich gilt, dass alle diese Fahrzeuge vor mindestens dreißig Jahren erstmals ihre Zulassung bekommen haben. Oldtimer leisten einen bedeutenden Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes und gelten als kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut.

Merkmale:

  • Zulassung erstmalig vor mindestens 30 Jahren
  • Originalität des Fahrzeugs ist gegeben
  • Veränderungen bzw. Umbauten am Fahrzeug dürfen nur in den ersten zehn Jahren erfolgt sein
  • ist in einem erhaltungswürdigen Zustand
  • Oldtimer-Gutachten oder gültige Betriebserlaubnis ist vorhanden
  • Karosserie weist typische, unverwechselbare “Gesichter” auf
  • häufig Zierleisten

Vor- und Nachteile eines Oldtimers

Beim Kauf eines Oldtimers solltest du allerdings die Vor- und Nachteile nicht außer Acht lassen, auf deine Situation und Bedürfnisse beziehen und gründlich abwägen.

Vorteile:

  • H-Kennzeichen: Das besondere Kennzeichen für Oldtimer ermöglicht Vorteile bei der Steuer.
  • Versicherung und Steuer: Oldtimer gelten beim Staat als kulturelles Gut und bietet daher finanzielle Vorteile (beispielsweise gibt es einen pauschalen Steuerbetrag)
  • Wertanlage: Mit einer Oldtimer-Plakette steigern Fahrzeuge ihren Wert enorm.
  • Freie Fahrt in Umweltzonen: Oldtimer sind von den Regelungen der Umweltzonen in deutschen Städten ausgenommen
  • Fahrspaß mit Geschichte: Wer einen Oldtimer kauft, bekommt ein Fahrzeug mit langer und erstaunlicher Geschichte.

Nachteile:

  • Strenge Begutachtungskriterien: um ein H-Kennzeichen zu erlangen, müssen verschiedene Kriterien erfüllt werden.
  • Wartung und Reparatur: bei alten Fahrzeugen ist sind technische, sowie äußere Mängel nicht selten und können natürlich immer häufiger auftreten. Eine regelmäßige Wartung in kleinen Zeitabständen ist unumgänglich.
  • Kostspielig in der Pflege: Wer nicht selbst Schrauben und Basteln kann, muss eine Werkstatt für Reparaturen beauftragen, was sehr teuer werden kann.
  • Schwierige Versorgung von Ersatzteilen: Besonders wichtig ist es, zu wissen, woher man Ersatzteile beschaffen kann. Bei alten Fahrzeugen ist der Markt mittlerweile nicht groß bzw. gar nicht mehr vorhanden. Hier sollte individuell nach Modell recherchiert werden.

Natürlich ist bekannt, dass man sich ohne umfassende Recherche und ein gewisses Know-How keinen Oldtimer zulegen sollte.

Oldtimer Cabrio an einer Küste
© EpicStockMedia/Fotolia

Für wen eignet sich ein Oldtimer?

Für Zweitwagensuchende

Oldtimer eignen sich vielleicht nicht unbedingt zur täglichen Nutzung im Straßenverkehr. Dafür sind sie (bei gutem Zustand) eine Option als Zweitwagen. An sonnigen Tagen bietet ein Oldtimer enormen Fahrspaß und den Ausgleich zur langweiligen Familienkutsche. Da viele Oldtimer-Modelle recht klein sind, gibt es oft gerade mal genug Platz für zwei Personen.

Für Hobbyschrauber und Liebhaber

Das typische Bild heutzutage: ein älterer Herr schraubt und bastelt an einem tollen Oldtimer in seiner eigenen Garage oder Halle herum. Und das hat natürlich einen guten Grund, denn die Instandsetzung und -haltung nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Sich einen älteren Oldtimer zuzulegen bedeutet also viel Bastel- und Schraubarbeit. Der Vorteil: wer sich mit Autos auskennt, braucht keine Werkstatt.


Im Sommer sind Oldtimer-Cabrios der Hingucker auf den Straßen.


Auch die Oldtimer lassen sich in verschiedene Kategorien einordnen.

  • BMW 750 iL (E32)
  • Opel Diplomat
  • Mercedes Typ 300
  • Borgward Isabella
  • BMW 1800
  • Rover 2000
  • Triumph 2000
  • Ford Taunus 20 M
  • Volvo P122 Sport

Die beliebtesten Oldtimer-Modelle

VW Käfer

Seit jeher der bekannteste und beliebteste Oldtimer ist vermutlich der VW Käfer, der seine Anfänge bereits in den Dreißiger Jahren hatte. Innerhalb von kürzester Zeit wurde er auf der ganzen Welt bekannt und bekam einige Spitznamen wie Buckelporsche oder Marienkäfer. Er war einst das meistverkaufte Auto der Welt.

Mercedes 114/115

Als Oldtimer-Limousine ist der Mercedes 114/115 besonders beliebt. Das liegt beispielsweise an seinem unverwechselbaren “Gesicht” in der Front, dass sich aus Kühlergrill und Scheinwerfern ergibt. Aber nicht nur das Äußere macht viel her – der Mercedes 114/115 ist mit seiner lederbezogenen Rückbank ein echter Klassiker wie er im Buche steht.

Porsche 911/912

Der Porsche 911 ist für uns heute immer noch der Inbegriff von Sportlichkeit und schnittigem Design. Als Standard der Sportwagen-Szene, kann man ihn auch als Oldtimer erwerben, da er bereits seit 1963 auf dem Markt ist – und das mit großem Erfolg. Der ursprüngliche Look ist dem 911er bis heute treu geblieben. Die Karosserie hat sich kaum verändert, was für die besonders hohe Beliebtheit des Wagens steht.

Opel Kadett

1936 erschien erstmalig der Opel Kadett auf dem deutschen Automarkt. Er galt damals als “Volkswagen” und legte den Grundstein des Erfolges von Opel in der Kompaktklasse. Außerdem ist er der Vorgänger des heutigen Opel Astra.

Innenraum eines hellblauen Oldtimers
© oc-gonzalez/unsplash

Die verschiedenen Kennzeichen

Das H-Kennzeichen

Dieses Kennzeichen gibt es seit 1997 und mit einher gehen einige Vorteile. Das Alter, sowie der Originalzustand des Fahrzeugs sind für das H-Kennzeichen maßgeblich. Das bedeutet, dass keine nachträglichen Arbeiten in Form von Tuning am Fahrzeug verrichtet werden durften und es ein Mindestalter von 30 Jahren auf dem Buckel haben muss. Ein gut gepflegter Zustand des Wagens muss gegeben sein. Das Oldtimer-Kennzeichen bietet einige steuerliche Vorteile, sowie günstigere Kfz-Versicherungen. Unabhängig von Hubraum und Verbrauch wird einmal im Jahr ein Pauschalbetrag von 191,73 Euro für die Kfz-Steuer fällig. Die strengen Umweltregelungen in Städten gelten für Oldtimer mit H-Kennzeichen meist nicht oder nur teilweise. Auch eine Umweltplakette ist nicht nötig.

Das Saisonkennzeichen

Relativ neu ist die Kombination aus H-Kennzeichen und Saisonkennzeichen. Seit Oktober 2017 können Halter eines Oldtimers offiziell mit diesem Kennzeichen noch mehr Kosten sparen. Beispielsweise kannst du deine steuerlichen Abgaben senken und musst nur einen Betrag für den Zeitraum zahlen, in dem dein Oldtimer angemeldet ist.

Das rote Kennzeichen

Auch das 07-Kennzeichen genannt, ist ein sogenanntes Wechsel-Kennzeichen und auf dieses können mehrere Fahrzeuge angemeldet werden. Darunter zählen Autos, LKW, Motorräder und sogar Traktoren. Man hat also bei mehreren Oldtimern die Möglichkeit diese abwechselnd zu bewegen, indem man das Kennzeichen einfach umsteckt. Für das 07-Kennzeichen müssen dieselben Voraussetzungen erfüllt werden, wie für das H-Kennzeichen. Besonders attraktiv ist dieses Nummernschild für Sammler, die ihre Fahrzeuge nur selten fahren, denn bei mehreren angemeldeten Fahrzeugen wird nur das steuerstärkste Fahrzeug berechnet. Allerdings dürfen die Fahrzeuge nicht im Alltag gefahren werden. Sie dürfen ausschließlich auf Oldtimer-Treffen und Rallyes gefahren werden oder auch zum Zwecke der Reparatur und Wartung.

Mercedes Oldtimer Front
© roman-kraft/unsplash

Wartung eines Oldtimers

Oldtimer sind sehr wartungsintensiv. Besonders nach einem langen Winter müssen Routine-Checks vorgenommen werden. Aber auch beim Kauf eines Oldtimers solltest du auf bestimmte Dinge achten.

  • Rost: Das Fahrzeug und besonders der Lack sollte auf Schäden geprüft werden. Mit einem Lackstift lassen sich Kleinigkeiten beseitigen. Mittels Rostumwandler können kleine Korrosionsstellen behandelt werden.
  • Fahrzeugboden: Auf einer Hebebühne kannst du deinen Wagen genauer unter die Lupe nehmen. Ist der Motor noch dicht? Ist der Zustand der Achsen einwandfrei? Auch hier kannst du überprüfen, ob Rost entstanden ist.
  • Hohlräume: Um weiterem Rost vorzubeugen, müssen kleine Hohlräume mit Wachs versiegelt werden.
  • Feuchtigkeit: Besonders im Innen- und Kofferraum kann Feuchtigkeit entstehen. Von Zeit zu Zeit solltest du den Wagen komplett ausräumen und trockenlegen.
  • Betriebsflüssigkeiten: Füllstand und Zustand der Fahrzeugflüssigkeiten sollten natürlich immer überprüft werden. Besonders bei längeren Standzeiten des Oldtimers solltest du regelmäßig nach Benzin, Öl und Bremsflüssigkeiten schauen.
  • Undichtigkeiten: Flecken und feuchte Stellen unter dem Auto sollten genauer gecheckt werden. Geruch und Konsistenz deuten oft auf die Herkunft hin.
  • Getriebeöl: Ein Austausch ist regelmäßig nötig – auch bei Automatik-Getrieben.
  • Kühlerfrostschutz: Auch bei Fahrzeugen, die nur im Sommer betrieben werden, wird er gebraucht!
  • Servolenkung: Die Servopumpe und die Hydraulikflüssigkeit sollte gründlich untersucht werden.
  • Schmierstellen: Scharniere und Schlösser, sowie die Laufschienen bei Schiebedächern müssen regelmäßig geölt und gefettet werden.

Der Oldtimer und seine Alltagstauglichkeit

Unter den Oldtimern gibt es viele, die den anfänglichen Wertverlust hinter sich haben und sogar wieder an Wert zulegen. Aber gibt es auch Modelle, die spritsparend fahren und gleichzeitig alltagstauglich sind? Ein Auto, das wenig verbraucht und nicht mehr an Wert verliert, scheint die perfekte Kombination zu sein. Es ist allerdings schwierig, ein solches Modell auf dem heutigen Automarkt zu finden. Ein paar der sparsamsten Oldtimer-Modelle:

  • BMW 525e: er hat ordentlich Hubraum und ordentlich PS unter der Haube. Seit 1984 lässt sich der 525e aufgrund des bulligen Drehmoments mit niedriger Drehzahl bewegen.
  • VW Golf I:1974 galt er als “hässliche” Kiste, doch nun ist er ein beliebtes Design-Objekt. Mit knappen 50 PS ist er deutlich schwacher motorisiert als der BMW 525e. Als Diesel verbraucht er aber nur 3,9 Liter auf 100 Kilometer. Findet man einen gut erhaltenen VW Golf, so ist er mit seinem großen Kofferraum auch noch besonders alltagstauglich.
  • Fiat 500D: Der Look stand schon 1957 fest. Als Vorgänger des heutigen Fiat 500 war dieses Modell schon damals besonders bei den Frauen heiß begehrt. Mit 4,8 Litern Diesel auf 100 Kilometer ist er noch dazu spritsparend und günstig. Was will man mehr?

Bei einer ausführlichen Recherche findest du deinen perfekten Oldtimer, mit dem du auch noch clever sparen kannst.

Silberne Oldtimer Front
© jeancliclac/iStock

Schick und wertsteigernd. Der Oldtimer ist und bleibt eine beliebte Anschaffung.



Fazit

Sich einen Oldtimer zuzulegen ist keine einfache Sache und bedeutet auch nicht immer eine praktische Lösung für den Alltag. Findet man einen gut erhaltenen Oldtimer mit guten Verbrauchswerten und allen Eigenschaften, die jegliche Bedürfnisse erfüllen, dann hat man großes Glück. Im Grunde genommen ist die Anschaffung eines Oldtimers aber eher zum Zwecke des Hobbys und der Leidenschaft zum Sammeln, Basteln und Schrauben geeignet. Wer viel Zeit hat und sich mit Herz einem Oldtimer widmet, wird mit seiner langjährigen Treue und Werterhöhung belohnt. Passt ein Oldtimer zu dir? Kannst du genug Zeit entbehren, um dich gut um ihn zu kümmern? Dann findest du auf meinestadt.de deinen perfekten Oldtimer.

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