Am Ende der Saison: das Motorrad fit für den Winter machen

Für viele endet die Motorradsaison im Winter und das Motorrad wird in die Garage gestellt, bis die Temperaturen wieder steigen. Meistens sind Motorräder reine Freizeitfahrzeuge, die mit Schnee und Eis in der Regel nicht zurechtkommen müssen. Wer das Fahren durch verschneite Winterlandschaften aber reizvoll findet oder kein Auto besitzt und das Motorrad auch bei klirrender Kälte im Alltag nutzen muss, sollte es vorher winterfest machen.

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Motorrad-Lenker mit Armatur
© christopher-burns/unsplash

Das Motorrad auf Glätte, Eis und Schnee vorbereiten

Mit zwei Rädern über glatte und verschneite Straßen zu kurven, erhöht zwar den Fahrspaß, birgt aber auch viele Gefahren. Du musst einiges beachten, bevor du mit dem Motorradfahren im Winter loslegen kannst.

Die Technik

Reifen: Bevor du dich bei Glatteis, Schnee- oder Reifglätte auf den Sattel schwingst, musst du geeignete Reifen für den Winter beschaffen. Denn diese sind in der kalten Jahreszeit nicht nur für Autos, sondern auch für Motorräder vorgeschrieben. Der ADAC empfiehlt mehr als die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern.

Batterie: Bei einer schwächelnden Batterie, solltest du sie entweder nochmal aufladen oder gegebenenfalls eine neue besorgen. Bei niedrigen Temperaturen kann eine Batterie generell weniger leisten und der Start des Motors kostet mehr Strom. Mit speziellen Batterieladegeräten kann die Batterie über einen längeren Zeitraum geladen werden. Dabei wird die Batterie geschont und es bleibt eine Restkapazität.

Bremsen: Funktionieren die Bremsen noch gut genug und ist noch ausreichend Bremsflüssigkeit vorhanden?

Beleuchtung: Licht, Hupe und Blinker müssen einwandfrei funktionieren. Gegebenenfalls solltest du die Glühbirnen austauschen.

Pflege und Wartung

Ölen und Wachsen: Eine regelmäßige Reinigung und das Ölen der Antriebskette sind notwendig, um Pannen zu vermeiden. Metallteile sollten mit einem entsprechenden Öl geschützt werden. Bei Motorrädern mit Kardanantrieb ist am Kardangehäuse häufig ein Schmiernippel vorhanden, der mit Fett behandelt werden muss. Die Lackteile können mit einem Hartwachs behandelt werden, um sie widerstandsfähiger zu machen. Die Züge sollten gut geschmiert und gegen eindringendes Salzwasser geschützt sein. Kontaktstellen der Schalter kannst du mit Kontaktspray behandeln.

Reinigung: Im Winter solltest du dein Motorrad häufiger gründlich reinigen, da sich das Streusalz von den Straßen festsetzen und das Material der Karosserie angreifen kann. Dabei solltest du besser mit der Hand und einem Wasserschlauch reinigen. Ein Hochdruckreiniger kann das Salz, Wassertropfen oder chemische Reiniger in Rad- und Lenkkopflager, in Schalter und Sicherungskästen treiben, was eine Korrosion verursachen kann.


Eine intensive Pflege und Wartung vor dem Winter, verhindert ein böses Erwachen im Frühjahr.


Die richtige Bekleidung

Robuste und schützende Kleidung ist zu jeder Jahreszeit notwendig. Zusätzlich gibt es aber auch entsprechend winddichte und warme Bekleidung, die dich während der Fahrt vor der Witterung schützt. Mit Leuchteinsätzen kannst du für bessere Sichtbarkeit auf den Straßen sorgen. Motorräder, die im Winter eingesetzt werden, haben oftmals Griffheizungen. Diese kannst du auch im Nachhinein noch montieren. Ein guter Tipp ist, die Handschuhe eine Nummer größer zu kaufen und sie mit Unterziehhandschuhen aus Seide oder Kunstfasern zu kombinieren. Wenn du ein getöntes Visier besitzt, solltest du es durch ein kratzfreies, helles ersetzen, das Streustrahlung und Blendung durch Sonne und andere Fahrzeuge verhindert.

Fahrstil anpassen

Auto- sowie Motorradfahrern sollten die Risiken beim Fahren im Winter bewusst sein. Natürlich musst du mit glatten Straßen und schlechter Sicht rechnen. Daher solltest du deinen Fahrstil anpassen und möglichst “rund” fahren. Das bedeutet, dass zu viele Lastwechsel, hartes Beschleunigen und starkes Bremsen vermieden werden sollte. Die tiefer stehende Sonne beeinträchtigt ebenfalls die Sicht der entgegenkommenden Fahrer, die eventuell geblendet werden könnten. Beim Bremsen ist große Vorsicht geboten. Motorradfahrer sollten die Bremse des Hinterrades benutzen, um zu verhindern, dass das Vorderrad blockiert. Wenn dein Motorrad mit ABS ausgestattet ist, unterstützt es dich bei einer gefahrlosen Bremsung. Eine Fahrbahn mit lockerem Neuschnee bietet mehr Halt als eine Fahrspur, mit bereits zusammengepresstem Schnee. Im Schatten oder auch auf Brücken ist es im Winter oft besonders glatt. Ein Fahrsicherheitstraining kann dir bei Unsicherheiten im Winter helfen.

Checkliste “winterfest”

  • Winterreifen montieren
  • Batterie laden
  • Bremsen und Bremsflüssigkeit checken
  • Beleuchtung kontrollieren
  • Ölen und Wachsen
  • Reinigen mit Wasserschlauch
  • Richtige Kleidung zulegen
  • Fahrsicherheitstraining (optional)
vereistes Motorrad mit Schnee im Winter
© hasky2/Fotolia

Das Motorrad in den Winterschlaf schicken

Wer das Motorrad zum Winter durch ein Auto ersetzt oder seinen Fahrkünsten bei Glatteis nicht ganz traut, kann sich für die Überwinterung seines motorisierten Zweirads entscheiden. Es dann aber nur abzudecken und ein halbes Jahr zu vergessen, kann im Frühjahr zu unangenehmen Überraschungen führen. Zunächst wäre es optimal, wenn du das Motorrad in einem Keller oder in einer Garage abstellen kannst. Ein vorübergehender Ruhestand setzt unter anderem eine gründliche Reinigung voraus – auch ein detaillierter Check der Technik ist erforderlich.

Je nach Standort deines Motorrads solltest du die Batterie entweder abklemmen oder ausbauen und trocken lagern. Auch wenn das Motorrad nicht in Betrieb ist, versorgt die Batterie es stetig mit Strom. Bei kühleren Temperaturen sollte die Batterie häufig nachgeladen werden.
Die Kette bei Fahrzeugen mit einem Kettenantrieb zum Hinterrad sollten sorgfältig gereinigt und mit neuem Fett behandelt werden. Mit einem speziellen Wachs können die Antriebsriemen und die Außenfläche überzogen werden. So kann bei längerem Stillstand eine Rissbildung verhindert werden.
Steht vor der Winterpause ein Ölwechsel bevor, solltest du diesen unbedingt vorher in Angriff nehmen, denn altes Öl kann im Motorinneren die Metallflächen angreifen. Gibt es noch keinen Termin für einen Ölwechsel, sollte es bis zur Maximalmarke aufgefüllt werden.
Wenn dein Motorrad einen Stahltank hat, kannst du ihn bis zum Rand mit Benzin füllen. Das verhindert die Bildung von Kondenswasser, was oft für Korrosion im Tank sorgt. Ist der Tank aus Kunststoff, sollte er komplett entleert werden. Darüber hinaus empfiehlt es sich bei stehendem Motor die Schwimmerkammern mittels Ablassschraube leerlaufen zu lassen. Das Benzin fließt dann an der Motorradunterseite ab und du kannst es abfangen und in den Tank schütten. Aber davor die Ablassschrauben wieder verschließen!
Bei längerer Standzeit kann der Luftdruck der Reifen um 0,3 bar erhöht werden. Wenn du die Möglichkeit hast, dein Motorrad auf einen Montageständer zu stellen, werden die Reifen vollständig entlastet und es kommt nicht zu Druckverlusten oder verformten Karkassen. Montageständer sind im Motorradfachhandel erhältlich. Tipp: Getränkekisten tun es aber auch.
Auspuff, Felgen und Speichen sind korrosionsgefährdete Teile des Motorrads und sollten mit einem Konservierungsmittel eingesprüht werden.
Die Kühlflüssigkeit sollte vor dem Einwintern aufgefüllt werden.
Zu guter Letzt ist es ratsam, das Motorrad abzudecken. Benutze dafür aber nach Möglichkeit keine Plane, sondern eine spezielle Abdeckhaube, denn sonst könnte sich Schwitzwasser darunter ansammeln.

Checkliste zum “Einmotten”

Mit dieser Checkliste kannst du in Ruhe alles abarbeiten und dein Motorrad “bettfertig” machen. Und das Beste ist: Zum Frühjahr ist es dann sofort bereit für die Straße.

  • Batterie ausbauen oder abklemmen
  • Gründliche Reinigung (ohne Hochdruckreiniger!)
  • Kette und Antriebsriemen mit Wachs behandeln
  • Reifendruck erhöhen und/oder Reifen entlasten
  • Ölwechsel oder Öl aufüllen
  • Korrosionsschutz auftragen
  • Kühlflüssigkeit auffüllen
  • Motorrad mit Abdeckhaube beziehen

Das Motorrad und der Winter sind nicht unbedingt die besten Freunde, doch mit ein paar Handgriffen lässt es sich auch bei kalten Temperaturen einwandfrei fahren und man muss nicht auf das Cruisen auf zwei Rädern verzichten. Das Bike wird aber im Schnitt häufiger eingelagert und zum Sommer wieder rausgeholt. Durch unsere hilfreichen Tipps bis du jedenfalls für beides optimal vorbereitet.


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