Sommerreifen adé, hallo Winterreifen

Die Tage werden kürzer, die Nächte werden länger. Auf der Fahrbahn kann es abends bereits zu Glatteis kommen und Dauerregen vermiest einem die tägliche Autofahrt. Zeit für einen Radwechsel! Deutschland gehört zu den Ländern, in denen der Wechsel von Sommer- zu Winterreifen und umgekehrt Pflicht ist. Grund dafür ist die Witterung: Bei niedrigen Temperaturen verändern sich die Straßenverhältnisse. Sommerreifen sind dann nicht mehr sicher genug. Deshalb müssen diese durch Winterreifen ausgetauscht werden. Wie das funktioniert, was du alles für den Radwechsel wissen musst und wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, erfährst du hier.

Lesedauer: 7 Minuten

Winterreifen auf beschneiter Straße
© aleksle/iStock

Wieso muss ich meine Sommerreifen gegen Winterreifen austauschen?

Vorab: Wechselst du nur saisonal von Sommer- zu Winterreifen, so handelt es sich nicht direkt um einen Reifenwechsel, sondern um einen Radwechsel. Bei diesem Wechsel werden nämlich nicht nur die Reifen, sondern auch die Felgen ausgetauscht. Ein Reifenwechsel findet meist nur bei älteren, abgefahrenen Reifen statt.

Also - suche nicht nach Ausreden. Winterreifen sind in Deutschland Pflicht. Diese Winterreifenpflicht ist in der Straßenverkehrsordnung (§ 2 Abs. 3a) geregelt und seit dem 04. Dezember 2010 gültig. Der Wechsel von Autoreifen lässt sich ganz gut mit dem Wechsel von Sommer- und Winterschuhen vergleichen: Wenn es kälter und glatter wird, verstaust du deine Sneaker im Schuhschrank und trägst Schuhe mit mehr Profil, um auf den glatten Straßen nicht auszurutschen. Das tust du zu deiner Sicherheit. Genauso ist es bei den Autoreifen. Winterreifen geben dir während der kalten Jahreszeit mehr Sicherheit auf den glatten, vereisten Straßen. Der Grund ist, dass sie sich materiell von den Sommerreifen unterscheiden. Zum einen befindet sich in der Gummimischung mehr Naturkautschuk, so dass die Reifen fester sind und bei niedriger Temperatur besser haften. Zum anderen haben die Reifen ein viel tieferes Profil: Durch die tiefen Einschnitte haben die Reifen viel mehr Grip und können auf vereisten und verschneiten Straßen besser haften. Das Auto kann besser bremsen und auch beim Aquaplaning bist du mit Winterreifen auf der sicheren Seite. Sommerreifen haben dagegen ein nicht so ausgeprägtes und tiefes Reifenprofil, so dass es viel zu gefährlich wäre, bei wirklich niedrigen Temperaturen und auf glatten Fahrbahnen mit Sommerreifen zu fahren. Denke also immer daran, deine Sommerreifen gegen Winterreifen auszutauschen, wenn es an der Zeit ist.

Wie viel Millimeter Profiltiefe müssen meine Winterreifen mindestens haben?

Münze zum Messen der Profiltiefe eines Reifens

Ein tiefes Profil ist bei Schnee und Matsch notwendig, deshalb beträgt die Mindestprofiltiefe bei Winterreifen 1,6 Millimeter. Aus Sicherheitsgründen wird sogar eine Profiltiefe von 4 Millimetern empfohlen – das ist schon ein großer Unterschied. Achte beim Wechsel der Reifen also auf die Beschaffenheit der Reifenprofile. Je geringer die Profiltiefe bei deinen Winterreifen, desto gefährlicher ist das Autofahren bei Eis und Glätte im Winter.

Wann sollte ich die Winterreifen aufziehen?

Es gibt eine Faustregel zum Thema Winterreifen, die du eventuell kennst: die O-zu-O-Regel (von Oktober bis Ostern). Diese Regelung kann man sich leicht merken und ist auch nicht ganz abwegig, da sowohl um Ostern als auch im Oktober, die Temperaturen zu- und abnehmen. Der Wechsel von Winter- zu Sommerreifen und umgekehrt ist daher immer abhängig von den aktuellen Wetterverhältnissen. Laut verschiedener Hersteller sollte man die Winterreifen aufziehen, wenn die Temperatur bei sieben Grad oder niedriger liegt. Das ist natürlich auch im Winter nicht immer der Fall. Oftmals ist es sogar so, dass die Temperaturen sehr schwanken. Sollte es zum Beispiel schon ab September dauerhaft kaltes und nasses Wetter geben, so kannst du dich schon eher um den Radwechsel kümmern. Aber: Als Orientierungshilfe kann man sich natürlich auch an die Faustregel halten.

Was bedeutet das Alpine-Symbol?

M+S Alpine-Symbol Winterreifen
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Das Kennzeichen “M+S”, was du vielleicht schon einmal auf deinem Winterreifen gesehen hast, steht für “Mud and Snow”, was auf deutsch wiederum “Matsch und Schnee” bedeutet. Dieses Zeichen ist auf der Seitenwand eines Winterreifens eingeprägt. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass ein Winterreifen, der speziell für winterliche Straßenverhältnisse hergestellt wurde, mit diesen Buchstaben gekennzeichnet ist. Doch seit dem 01.01.2018 gibt es eine neue Kennzeichnung für die Winterreifen. Ab da sind nur noch Autoreifen für die winterlichen Bedingungen erlaubt, die das sogenannte Alpine-Symbol tragen (Bergpiktogramm mit Schneeflocke). Dieses Symbol ersetzt die Abkürzung “M&S”, da dieses Symbol europaweit gültig ist. Aber keine Sorge: Du musst jetzt nicht sofort deine alten Winterreifen durch neue austauschen. Bis zum 30. September 2024 darfst du offiziell noch mit Winterreifen fahren, die mit den Buchstaben M&S beschriftet sind. Bei Winterreifen, die ab dem 01.01.2018 hergestellt werden, ist es allerdings Pflicht, diese mit dem Bergpiktogramm zu kennzeichnen.

Wann ist es Zeit für den verpflichtenden Reifenwechsel?

Neben dem Sommer- und Winterreifenwechsel gibt es natürlich auch den obligatorischen Reifenwechsel nach Abnutzung des Reifenprofils. Fährst du viel, solltest du deine abgenutzten Reifen nach ca. 6 Jahren komplett austauschen. Je mehr du fährst, desto höher ist natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass deine Winterreifen schon früher abgenutzt sind und Neue angeschafft werden müssen. Das kannst du aber in einer Werkstatt überprüfen lassen. Du weißt nicht, wie alt dein Reifen ist? Kein Problem. Das kannst du ganz einfach ablesen. Auf der Reifenseite befindet sich die sog. DOT-Nummer, die dir genau sagen kann, wann der Reifen hergestellt wurde. Eine DOT-Nummer sieht zum Beispiel so aus: GGF 785 042014. Wichtig sind hierbei die letzten sechs Ziffern. 04 ist der Monat und 2014 das Jahr, in dem der Reifen hergestellt wurde. Demnach wurde dieser Reifen im April 2014 angefertigt.

Schnee auf Autoreifen
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Welche Gefahr besteht, wenn ich meine Winterreifen im Winter noch nicht aufgezogen habe?

Beim Wechsel der Autoreifen geht es in erster Linie um die Sicherheit. Wenn du mit Sommerreifen im Winter fährst, stellst du eine große Gefahr für dich und den Straßenverkehr dar. Die Bremswege werden länger, du rutschst über die glatte Fahrbahn und es kommt schneller zu einem Auffahrunfall als du denkst. Wenn du die Reifen wechselst, auch wenn du vielleicht in einer schneearmen Region in Deutschland lebst – so bist du auf der sicheren Seite. Es kann immer zu einem Wintereinbruch kommen. Außerdem gilt seit 2010 laut Straßenverkehrsordnung die Regelung, dass man bei Glatteis, Schneematsch oder Eis- und Reifglätte nur noch mit Winterreifen fahren darf.


Mit welchen Konsequenzen muss ich rechnen, wenn ich die Winterreifen nicht anbringe?

Solltest du im Winter noch mit Sommerreifen fahren und wirst dabei erwischt, riskierst du ein Bußgeld in Höhe von 60,00 Euro oder sogar 80,00 Euro (je nach Behinderungsgrad des Straßenverkehrs) und bekommst zusätzlich einen Punkt in Flensburg. Wie du siehst, ist die Fahrt mit Sommerreifen im Winter nicht nur eine Gefahr für dich und andere auf der Straße, sondern auch keine schöne Angelegenheit für dich als Fahrer, wenn dich die Polizei anhält.


Was sollte ich noch über Winterreifen wissen?

Wenn du von Winterreifen zu Sommerreifen oder umgekehrt wechselt, hast du keine hohen Kosten. Da es sich nur um einen Radwechsel handelt, liegen die Kosten bei etwa 20,00 bis 40,00 Euro für alle vier Reifen. Mache frühzeitig einen Termin, da gerade im Oktober und um Ostern herum aufgrund der Wetterverhältnisse und der Faustregel die Werkstätten schnell ausgebucht sind.
Sind deine jetzigen Winterreifen mittlerweile älter und schon abgefahren? Wenn die Profiltiefe nicht mehr stimmt, dann wird es Zeit für neue Reifen. Dieser Rad- bzw. Reifenwechsel ist dementsprechend teurer, als nur die Kosten für einen saisonalen Radwechsel. Beim Kauf neuer Winterreifen kannst du natürlich auf günstigere für ab 34,00 Euro pro Reifen zugreifen. Eine Grenze nach oben gibt es nicht wirklich, da du auch locker hochwertige Reifen erhältst, die mehr als 100,00 Euro kosten. Bei den günstigeren Reifen musst du allerdings damit rechnen, dass es an der Qualität mangeln könnte. Bei Winterreifen, die sich in der mittleren Preiskategorie befinden, kannst du nichts falsch machen.
Beim Auswuchten geht es darum, den Reifen wieder in seine Form zu bringen. Dadurch wird das Rad mithilfe einer Maschine in Rotation gebracht, um Unwuchten zu analysieren. Danach werden diese Stellen mit Wuchtgewichten ausgestattet, damit der Reifen wieder in Form ist. Durch die viele Fahrerei fährt sich so ein Reifen nun mal ab. Das Auswuchten von Autoreifen ist keine Pflicht, sollte aber ab und zu gemacht werden, auch wenn es etwas teurer ist, als nur die Winterreifen auswechseln zu lassen. Das Auswuchten tut deinen Reifen gut und gibt dir noch mehr Sicherheit beim Autofahren.
Sind die Winterreifen am Auto, müssen die Sommerreifen irgendwo gelagert werden - und umgekehrt. Hier hast du verschiedene Möglichkeiten. Natürlich kannst du deine Reifen im Keller oder in der Garage lagern. Hierbei ist darauf zu achten, dass der Ort kühl, dunkel und trocken ist. Mehr zum Thema Reifenlagerung findest du in unserem Ratgeber.

Beachte außerdem folgende Punkte, bevor du deine Reifen lagerst:

  • Entferne groben Dreck, reinige die Reifen und lasse sie trocknen.
  • Kennzeichne, falls noch nicht geschehen, die einzelnen Räder mit der Position am Auto: VR für vorne rechts, HL für hinten links usw.
  • Erhöhe den Luftdruck auf 0,5 bar, da diese während der Lagerungszeit Luft verlieren. Nach der Einlagerung haben sie dann genug Druck.
  • Kompletträder kannst du übereinander gestapelt auf den Boden legen, Reifen ohne Felgen solltest du senkrecht/hochkant lagern oder in einen Felgenbaum hängen. Von Zeit zu Zeit müssen diese gedreht werden.
Solltest du über keine Räumlichkeiten verfügen, in denen du deine Winter- oder Sommerreifen lagern kannst, ist es auch kein Problem, diese in der Werkstatt einlagern zu lassen. Hast du einen Radwechsel-Termin, informiere dich vorab, ob du deine Reifen auch dort gegen eine Gebühr einlagern kannst.

Fazit

Das Thema Winterreifen darf, wie du siehst, nicht vernachlässigt werden. Wir hoffen du bist nun bestens informiert über den Wechsel, die Kosten und die Sicherheit, die deine Winterreifen auf glatten und eisigen Straßen mit sich bringen. Wenn es dann wieder so weit ist, und der Frühling seine Türen öffnet, geht es dann wieder an die Sommerreifen. Auch zu diesem Thema haben wir für dich fachgerechte Informationen zusammengestellt.

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