E-Scooter – die neuen, flexiblen Wegbegleiter

Lange wurde darauf gewartet, endlich ist es offiziell: Der Elektro-Scooter ist nun dank des neuen PLEV-Gesetzes für Elektrokleinstfahrzeuge endlich auch auf deutschen Straßen zugelassen. In Österreich, Polen und Co. ist die neue, kleine Innovation aus dem Straßenverkehr bereits gar nicht mehr wegzudenken. Ob Sightseeing-Touren durch die Stadt, der Weg zum nächsten Supermarkt oder das letzte Stück von der Haltestelle zur Haustür – mit dem praktischen E-Tretroller bist du immer schnell am Ziel und dabei auch noch umweltfreundlich unterwegs. Wir sagen dir, was du vor deiner ersten Fahrt alles beachten solltest, um fit für das neue Fortbewegungsmittel in deiner Stadt zu sein.

Lesedauer: 6 Minuten

Die neue Gesetzgebung

Mit dem Inkrafttreten der neuen Elektroroller-Verordnung am 15. Juni 2019 wird sich zukünftig viel ändern im urbanen Straßenverkehr. Denn ein neues, offiziell zugelassenes Verkehrsmittel ebnet den Weg zur individuellen Elektro-Mobilität: der E-Scooter. Bislang durfte man mit seinem elektrischen Tretroller nur auf Privatgeländen umher düsen, doch das hat sich dank des neuen Gesetzes zu Elektrokleinstfahrzeugen jetzt geändert. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 Stundenkilometern dürfen die neuen Roller auf Deutschlands Fahrradwegen genutzt werden. Dabei besteht, obwohl dies lange debattiert wurde, offiziell keine Helmpflicht. Auch Führerschein und Mofa-Prüfbescheinigung sind nicht notwendig. Alle weiteren Infos und Zulassungsbedingungen (wie z.B. die ABE), die du als Fahrer eines E-Scooters brauchst, haben wir in der folgenden Tabelle für dich kompakt zusammengefasst. Falls du vorhast, einen Roller zu kaufen, findest du weitere Angaben, die dich interessieren könnten unter: E-Scooter selbst kaufen oder lieber Sharing-Dienste nutzen?

E-Scooter Verordnung

  • Zulassungvoraussetzung: ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis)

  • Führerscheinpflicht: Nein

  • Mofa-Prüfbescheinigung: Nein

  • Helmpflicht: Nein

  • Erlaubt auf: Radwegen, Radfahrstreifen, Fahrradstraßen (Wenn nichts davon vorhanden, dann auch auf der Straße)

  • Höchstgeschwindigkeit: 20 km/h

  • Reichweite: ca. 20-45 km (je nach Modell & Akku-Kapazität)

  • Mindestalter: 14 Jahre

  • Promille-Grenze: 0,5

  • Abkürzung: PLEV (Personal Light Electric Vehicles)

Welche Verkehrsregeln gelten für E-Scooter?

Da die E-Scooter ausschließlich auf Radwegen (wenn nicht vorhanden, auch auf Fahrbahnen) benutzt werden dürfen, gelten für E-Scooter-Fahrer grundsätzlich ähnliche Verkehrsregeln wie für Fahrradfahrer. Im Gegensatz zu Scooter-Fahrern sind Fahrradfahrer nicht verpflichtet, den Radweg zu benutzen. Im Einzelfall bedeutet es beispielsweise, dass Verkehrsschilder, die Einbahnstraßen für Fahrräder freigeben, E-Scooter mit einschließen. Daher muss der Elektro-Tretroller im Gegensatz zu gewöhnlichen Motorrollern auch keine Blinker besitzen. Bei bevorstehenden Richtungswechseln reichen – wie beim Fahrrad – Handzeichen aus. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten: Der Gas-Hebel befindet sich meist rechts am Lenker und muss während der Fahrt heruntergedrückt werden. Wer also rechts abbiegt und seine Hand vom Lenker löst, sollte sich darauf gefasst machen, langsamer zu werden.

Aber Achtung: Einen großen Unterschied gibt es für die E-Roller (neben dem Mindestalter von 14 Jahren) jedoch noch: Wer Alkohol trinken und mit seinem E-Roller fahren möchte, muss sich wie beim Autofahren an eine Grenze von 0,5 Promille halten. Wer sich nicht daran hält und trotzdem auf den Elektro-Tretroller steigt, dem drohen Bußgeld und ein Auto-Fahrverbot.

Unser Tipp: Blinker am Roller sind zwar kein Muss, allerdings erleichtern sie dir das Rollerfahren enorm. Denn das einhändige Fahren kann wegen der zwei kleinen Reifen eine ziemlich wackelige Angelegenheit werden.

Vor- und Nachteile eines E-Scooters

Ob für dich persönlich die Nutzung oder sogar der Kauf eines Elektrotretrollers in Frage kommt, hängt von vielen Faktoren ab, die du bei deiner Einschätzung berücksichtigen solltest. Wir haben mögliche Vor- und Nachteile abgewogen und hier für dich zusammengetragen, um dir bei deiner Entscheidung zu helfen.

Vorteile

Generell bietet der E-Scooter eine Vielzahl von Vorteilen. Mit seiner kompakten Größe und seinem Klappmechanismus, kannst du deinen neuen urbanen Wegbegleiter überall hin mitnehmen, dir lästige Wege ersparen und bekommst vielleicht sogar doch noch die Bahn, die du zu Fuß schon längst abgeschrieben hättest. Auch die Umwelt wird es einem danken, wenn man das ein oder andere Mal das Auto stehen lässt, den Bus-Verkehr entlastet und lärmfrei durch die Straßen düst. Denn mit einer Reichweite von bis zu 45 km (je nach Modell) bist du mit dem neuen E-Scooter nicht nur an kurze Strecken gebunden. Und das Beste: du kannst deinen E-Scooter auch in Bus und Bahn problemlos mitnehmen. Bei geliehenen Rollern von Sharing-Diensten solltest dabei aber unbedingt auf die zugelassenen Gebiete achten.

Nachteile

Allerdings birgt der E-Scooter trotzdem auch Gefahren, denen du dir vor der Nutzung bewusst sein solltest. So innovativ die E-Scooter auch sein mögen – die Straßen in den deutschen Städten sind nicht überall für die neuen Tretroller geeignet. Ob Bodenwellen, Schlaglöcher, Kopfsteinpflaster oder viel zu enge Radwege, die ein Überholen schwierig machen: es ist äußerste Vorsicht beim Fahren geboten! Und auch wenn der rein elektrische Antrieb der Umwelt einen Gefallen tut, so gefährdet er durch die (zu) leisen Motoren vor allem Kinder, ältere Menschen sowie Menschen mit einer Sehbehinderung. Außerdem ist der E-Roller nicht überall gern gesehen: viele Städte haben Verbotszonen bestimmt z.B. rund um Denkmäler, in denen das Fahren oder Abstellen der E-Scooter nicht erlaubt ist.

Unser Tipp: Mach dich vor deiner ersten Fahrt mit dem E-Scooter vertraut und wäge Vor- und Nachteile am besten für dich selbst ab. Und auch wenn offiziell keine Helmpflicht besteht, ist ein Schutz des Kopfes durchaus sinnvoll!

E-Scooter selbst kaufen oder lieber Sharing-Dienste nutzen?

Person hält sich an E-Scooter fest und bedient dabei ihr Smartphone
© Saklakova/Fotolia

Mit dem neuen Gesetz kommen nicht nur auf Stadtplanung, Verkehrsbehörden und co. verschiedene Fragen zu, sondern vor allem auch auf die Nutzer: Wie oft werde ich einen E-Scooter nutzen? Wie teuer ist ein E-Scooter? Lohnt es sich, eher einen zu leihen oder sollte ich mir lieber einen eigenen kaufen? Wir haben uns rund um das Thema Kaufen und Sharen schlau gemacht und unsere Ergebnisse hier kompakt für dich zusammengefasst:

Sharen

Mit der Einführung des E-Scooters in den deutschen Städten, stehen auch schon die ersten Sharing-Dienste bereit. Wie beim Fahrrad- und Car-Sharing sollen dabei nach dem Free-Floating-Modell überall in den Städten verteilt E-Scootern stehen. Diese lassen sich per App entsperren und mieten. Die anfallenden Kosten sind je nach Anbieter unterschiedlich hoch, setzen sich aber meist aus einer Aktivierungsgebühr von circa einem Euro und 15 Cent pro Minute Mietzeit zusammen. Wer den Roller etwas länger leihen möchte: Die maximale Mietzeit liegt meistens bei 24 Stunden und wird mit einer je nach Anbieter unterschiedlich hohen Tageshöchstgebühr abgerechnet. Damit sind Sharing-Dienste besonders gut für diejenigen geeignet, die vorhaben, E-Scooter eher spontan und nicht regelmäßig zu nutzen. Aber Vorsicht: meistens sind nur abgegrenzte Zonen für das Abstellen und Befahren der E-Scooter von den Anbietern freigegeben. Anderenfalls können Gebühren von den Anbietern erhoben oder das Tempo des Rollers stark gedrosselt werden. Bevor es für dich losgehst, solltest du also in der jeweiligen App einen kurzen Blick auf die Karte werfen.

Kaufen

Seitdem die neue Gesetzeslage zum Thema Elektrokleinstfahrzeuge bekannt ist, wimmelt es im Internet nur so von E-Scooter Angeboten. Kostentechnisch liegen die verschiedenen Anbieter mit ihren Scooter-Modellen weit auseinander. Einige günstige Varianten sind dabei schon ab 120 Euro zu erwerben, wobei die meisten Elektroroller bei etwa 300-400 Euro liegen. Wer sich etwas mehr Qualität und Extravaganz wünscht, findet auch im oberen Preissegment um circa 2000 Euro einen passenden Roller für sich. Sparen sollte man dabei aber nicht am falschen Ende, denn vor allem große, stabile Reifen sorgen für ein sicheres und sorgenfreies Fahrgefühl. Denn kleine Reifen auf grobem Kopfsteinpflaster machen sich nicht gut – vertraut uns, wir sprechen aus Erfahrung. Auch die Beschaffenheit der Reifen (Gummi- oder Luftreifen) sollte gründlich geprüft und je nach Zweck ausgewählt werden. Außerdem gibt es auch E-Scooter mit kleinem, eingebautem Sitz, die je nach Strecke für zusätzlichen Komfort sorgen können. Worauf du beim Kauf noch achten solltest, haben wir in der Übersicht zum Thema Kaufen für dich zusammengefasst.

Unser Tipp: Wenn du mit der Idee spielst, dir deinen eigenen Elektroroller zuzulegen, kannst du Sharing-Dienste vor allem dazu nutzen, um herauszufinden, ob dir das E-Scooter-Fahren Spaß macht und welches Modell dir am besten gefällt. Aber Vorsicht: Achte beim Kauf unbedingt darauf, dass dein Roller eine ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis) besitzt und damit auch für die öffentliche Nutzung geeignet ist.

Übersicht zum Thema Kaufen:

Kategorie E-Scooter-Verordnung
Ausstattung
– Lenk-/ Haltestange
– Beleuchtung (Vorder-, Rück- und Bremslicht)
– zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen
– Klingel
Versicherungspflicht
Ja (ca. 40€ im Jahr)
+ Versicherungsaufkleber (6,5 x 5,3cm), anzubringen unterhalb der Rückleuchte
Zulassungsvoraussetzung
ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis)
Größenbeschränkung
– Breite: max. 70cm
– Hohe: max. 240cm
– Länge: max. 200cm
Gewicht
Max. 55 kg
Akku-Leistungsbeschränkung
– Dauerleistung: max. 500 Watt
– Wenn 60% der Leistung zur Ausbalancierung (gyroskopische Systeme): max. 1400 Watt
Kosten
– Für Sharing je nach Strecke unterschiedlich
– Rollerkauf: unterschiedliche Modelle von 120€ - 2000€

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