Lackschäden ausbessern in 8 Schritten

Lackschäden sind mit der häufigste Defekt am Auto, daher sind diese kleinen Schäden Autobesitzern sehr gut bekannt. Kleinere Lackschäden eignen sich um selbst Hand anzulegen und diese auszubessern.
Geduldige und geschickte Heimwerker können mit etwas Übung gute Ergebnisse erzielen.

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Kind verkratzt ein Auto mit einem Schlüssel.
© Dron/AdobeStock

Was benötige ich zum Lack ausbessern?

Bei Lackschäden gibt es unterschiedliche Varianten der Reparatur. So kannst du Lackstifte, Lacksprays oder Lackpflaster zum Ausbessern nutzen.
Lackpflaster sind hierbei eine Art selbstklebender Lackfilm, den du im gewünschten Farbton bestellen kannst und als Soforthilfe für Oberflächenschäden am Lack genutzt wird.
Bevor du mit dem Lackieren anfängst, solltest du die folgenden Dinge bereithalten:

  • Handschuhe
  • Klebeband
  • Schleifer, Schleifpapier und -vlies
  • Silikonentferner
  • Staubbindetuch
  • Füller
  • Infrarot-Trockner oder Heißluftföhn (optional)
  • unterschiedliche Lacke
  • Autopolitur

Bei den meisten Händlern kannst du bezüglich der Menge an Lack, die du benötigst, nach einer Beratung fragen. Grundsätzlich wird dir immer geraten etwas mehr Lack als nötig zu bestellen, damit du tatsächlich den kompletten Bereich lackieren kannst. Den Lack kannst du bei korrekter Lagerung auch problemlos nach mehreren Jahren erneut verwenden, denn ein kleiner Lackschaden kann jederzeit passieren. Die Dose sollte nur fest verschlossen, kühl und trocken gelagert werden auch kannst du die Dose auf dem Kopf stehend verstauen, so verdichtet sich der Lack selbst.
Im Falle, dass du eine komplette Dose ungeöffnet nicht mehr benötigst, wird diese je nach Händler auch zurückgenommen.

Auto wird in der Werkstatt kontrolliert.

Was muss ich beim Lack ausbessern beachten?

Schritt für Schritt Anleitung

Kleinere Lackschäden kannst du mit etwas Geschick einfach selber ausbessern.
Für den Fall, dass du dir das Ausbessern von kleinen Schäden selbst zutraust kannst du dich einfach an der folgenden Schritt für Schritt Anleitung orientieren.

Schritt 1:

Damit der neue Lack besser auf dem beschädigten Bauteil hält, muss die Oberfläche aufgeraut werden. Als erstes sollte das Bauteil mit einem Schleifer abgeschliffen werden und im darauf folgenden Schritt mit Schleifpapier oder -vlies nachbearbeitet werden.

Schritt 2:

Um eine tatsächlich glatte Oberfläche zu erhalten, müssen alle Schleifrückstände gründlich entfernt werden. Die Schleifrückstände kannst du entfernen, indem du das Bauteil abwäschst, mit Silikonentferner behandelst und zum Schluss mit einem Staubbindetuch abwischst.

Schritt 3:

Im nächsten Schritt sollte das jeweilige Bauteil zwei bis drei Mal mit Füllern besprüht werden, damit die Oberfläche geglättet und von Rillen befreit ist. Der Füller sollte nach jedem Auftragen trocknen gelassen werden und anschließend daran sollte die Stelle immer wieder von Staub befreit werden. Infrarot-Trockner können das Trocknen hier beschleunigen

Schritt 4:

Nach dem Auftragen des Füllers solltest du diesen wieder abschleifen und die Schleifrückstände erneut entfernen.

Schritt 5:

Infolgedessen muss der Basislack in drei bis vier dünnen Schichten aufgetragen werden. Bei einer Sprühpistole musst du nur auf den richtigen Abstand von etwa 20 Zentimetern und den richtigen Druck achten, der zwischen 2,4 und 4 bar liegt. Auch solltest du beim Lackieren auf einen gleichbleibenden Abstand achten und jeweil immer drei Viertel deiner zuvor lackierten Bahn mit der neuen Bahn überlappen.
Die Wärme eines Heißluftföhns oder Baustrahler hilft dir, dass der Lack schneller trocknet.

Schritt 6:

Sobald der Basislack getrocknet ist, kann dieser erneut abgeschliffen werden und die Rückstände können entfernt werden.

Schritt 7:

Im Anschluss daran musst du den Klarlack mischen und genau wie den Basislack in vier bis fünf Schichten auftragen.

Schritt 8:

Zuletzt können durch eine Politur des Fahrzeugs die letzten Ungenauigkeiten ausgebessert werden.

Kratzer an der hinteren Autotür.
© irontrybex/AdobeStock

Bei tieferen Schäden kannst du grundsätzlich ähnlich, wie zuvor beschrieben, vorgehen. Mit Ausnahme, dass im ersten Schritt die tiefen Schäden mit einer Spachtelmasse aufgefüllt werden, Unebenheiten erspürt und präzise mit Schleifpapier, mit etwas gröbere Körnung, abgeschliffen werden müssen.

Tipps

Wenn du das erste mal bei deinem Auto kleine Lackschäden ausbessern musst, helfen dir ein paar Tipps, um ein gutes Ergebnis zu erzielen:

  • Falls du zuvor noch nie einen Lackschaden ausgebessert hast, kannst du dir auch als erstes ein Gartengerät zum Üben suchen.
  • Bei der Lackierung eines sehr großen Bauteils oder einer Komplettlackierung solltest du sicherstellen, dass du eine ausreichend große Lackmenge angemischt hast.
  • Dein Fahrzeug sollte während der Lackierung möglichst im Warmen untergestellt werden, da tiefe Temperaturen eine gute Lackierung verhindern. Hierbei kann dir schon ein Heizstrahler helfen.
  • Nach der Reparatur bietet es sich egal bei welcher Methode du verwendet hast an, das komplette Fahrzeug zu polieren und mit einer Hartwachs-politur zu schützen.
  • Solltest du mit einem Kompressor arbeiten, verwende diesen nur mit einem Öl- und Wasserabscheider, da Öl- und Wassertropfen das Ergebnis verschlechtern können.
  • Die meiste Geduld und Sorgfalt solltest du in die Vorbereitung der Fläche legen, denn kleine Unsauberkeiten beim Schleifen merkst du erst, wenn die Lackierung fertig ist.
  • Achte auch vor allem auf die Sauberkeit der zu lackierenden Fläche und säuber diese immer wieder mit einem Staubbindetuch.
  • Am besten solltest du auch immer etwas mehr Lack als nötig bestellen, damit du nicht in die Verlegenheit kommst, eine Stelle nicht vollständig lackieren zu können.

Die zu lackierende Fläche sollte als erstes mit Schleifen vorbereitet werden – auch hier musst du ein paar einfache Dinge beachten.

  • Schäden und Rost können mit einem Schleifpapier der 80er-120er Körnung bearbeitet werden.
  • Sollte es sich bei deiner Reparatur um tiefere Schäden handeln, solltest du vor dem Spachteln den Vorschliff mit einer 120er-180er Körnung vornehmen.
  • Das Anschleifen der Spachtelmasse kannst du mit einer 80er-120er Körnung vornehmen.
  • Beim Nachschleifen solltest du ein Schleifpapier mit einer 180er-240er Körnung nutzen.
  • Den Feinschliff kannst du mit Schleifpapier ab einer 320er Körnung vornehmen.

Welcher Lack zum Ausbessern von Lackschäden?

Eine der wichtigsten Fragen bei der Ausbesserung von Lackschäden ist wohl welchen Lack du benötigst.
Die Lackfarbe und die damit verbundene Farbnummer oder auch den Farbcode findest du nämlich nicht, wie zuerst vermutet in den Fahrzeugpapieren, hier findest du nur die Farbgruppe, wie zum Beispiel weiß, rot oder schwarz, inklusive des jeweiligen Codes. Den Farbcode findest du meist an der Karosserie selbst, der genaue Platz ist aber je nach Fahrzeughersteller unterschiedlich. Bei den meisten Herstellern findest die 3-stellige Kombination aus Zahlen und Buchstaben an der Innenseite der Türsäule, dem Kofferraumbereich oder im Motorraum. Ein Sonderfall hierbei stellt der Autohersteller Ford dar, dieser vergibt nur eine so genannte XSC-Nummer, die nur mit Hilfe der Fahrgestellnummer bei einem Vertragshändler erfragt werden kann.

Mann poliert ein Auto.
© Alexander/AdobeStock

Generell kannst du mit der Fahrgestellnummer deines Autos, falls du den Farbcode nicht finden solltest, immer bei einem Händler in deiner Nähe die richtige Farbe erfragen.
Den Lack kannst du unter Angabe der Farbnummer bei einem Händler deiner Wahl bestellen.

Unterschied zwischen Lackschäden

Je nachdem was für eine Lackreparatur du an deinem Auto vornehmen musst, gibt es geringfügige Unterschiede, die du beachten solltest.

Steinschläge

Bei einem Lackschaden, der durch einen Steinschlag verursacht wurde, eignen sich vor allem Lackstifte. Diese Lackstifte sind beim Hersteller und Zulieferer in fast allen Originalfarben bestellbar und meistens befindet sich noch zum Anschleifen des Steinschlags eine kleine Drahtbürste im Deckel. Nachdem die Stelle angeraut wurde, kann der Lack mit einem Pinsel vorsichtig auf den Steinschlag aufgetragen werden und trocknen. Die Oberfläche kannst du nach dem Trocknen mit Schleifpapier glätten.

Oberflächliche Kratzer

Solltest du nur oberflächliche Schäden und Schrammen entfernen wollen, kann eine Politur oder ein Kratzerentferner schon helfen. Oberflächliche Kratzer können zum Beispiel an den Türgriffen auftauchen und durch einige Minuten lange Polieren ausgebessert werden.
Am besten lässt du daraufhin die Politur noch circa 15 Minuten einwirken.

Tiefe Kratzer und Lackschäden

Schäden, wie tiefe Kratzer, Rost oder Lackplatzer müssen vor der Lackierung ausgebessert werden. Je nachdem an welcher Stelle sich der Schaden befindet, kann es beim Bearbeiten leichter sein, das Bauteil auszubauen. Am besten klebst du die zu behandelnde Stelle vor der Lackierung ab.

Vor- und Nachteile

Du stellst dir die Frage, ob du den Lackschaden an deinem Auto selbst ausbessern kannst oder doch lieber einen Profi aufsuchen solltest?
Bei der Reparatur aus eigener Hand sparst du viel Geld und du lernst dazu dein Fahrzeug noch besser kennen. Wenn du Freude an handwerklicher Arbeit mitbringst, kommt der Spaß-Faktor bei der Reparatur auch nicht zu kurz und du hast eventuell sogar ein neues Hobby für dich entdeckt. Ein Vorteil von oberflächlichen und kleinen Schäden liegt darin, dass eine Autopolitur schon ausreichen kann und du nicht mal den Weg zur Werkstatt auf dich nehmen musst.

Lackschaden am Kotflügel
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In der Regel gilt aber, dass Schäden ab einer Größe von über einem DIN A4 Blatt professionelle Hilfe beanspruchen können. Des Weiteren darfst du auch nicht vergessen, dass du von dir kein so makelloses Finish wie von einer Werkstatt oder Profilackierung erwarten kannst. Vor allem bei Metallic-Farben ist das Finish besonders schwierig.
Für eine professionelle Komplettlackierung spricht ein bevorstehender Wiederverkauf des Fahrzeugs. Große Schäden können in Eigenregie trotz präziser Arbeit wahrgenommen werden und schmälern so den Wiederverkaufswert des Autos.

Fazit

Grundsätzlich eignen sich kleine Schäden, wie Kratzer oder Lackschäden zum selber Reparieren. Sobald es sich jedoch um größere Schäden handelt, solltest du dir professionelle Hilfe suchen. Bei der Reparatur von Bremsen, Lenkung oder Radaufhängung sind die Fachkenntnisse des geschulten Personals einer Werkstatt nötig.
Solltest du dir bei einem Schaden unsicher sein, kannst du hier den passenden Partner für die Reparatur finden.

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