Autonomes Fahren – Mobilität der Zukunft

Eine Großstadtidylle mit lautlosen Elektromotoren, selbstfahrenden Taxis und Bussen, die immer pünktlich sind. Das war lange Zeit eine Vision, die müde belächelt wurde. Aber unmöglich? Nein. Die Klassiker unter den Filmen wie Zurück in die Zukunft, Total Recall oder Raumschiff Enterprise haben schon vor vielen Jahren unsere jetzige Zeit richtig vorhergesagt. Was es mit dem autonomen Fahren auf sich hat, wie der heutige Stand dieser Technik ist und welche Risiken sich dahinter verbergen, klären wir hier für dich auf.

Lesedauer: 7 Minuten

Cockpit eines autonomen Tesla
© roberto-nickson/unsplash

Was bedeutet autonome Mobilität?

Für uns ist die tägliche Mobilität, ob mit dem Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto einfach Alltag. Es gehört dazu und ist für uns wohl kaum noch etwas Besonderes. Wir haben mittlerweile fast unendlich viele Möglichkeiten von A nach B zu kommen. Und dazu kamen in den letzten Jahren die elektrischen Optionen: E-Scooter, Fahrräder und Autos mit elektrischem Antrieb. Nun folgt der nächste Schritt in eine einfachere und mühelosere Zukunft: die autonome Mobilität. Von der Autonomie träumen wir schon lange: In Ruhe ein persönliches Gespräch führen, ein Meeting mit Geschäftspartnern abhalten oder ein leckeres Mittagessen mit dem Partner zu genießen – und das während das eigene Fahrzeug sicher und verlässlich durch den Straßenverkehr fährt, Gefahren ausweicht und bei Stau rechtzeitig bremst.

Einige Tests sind bereits aktiv, eine autonome Zukunft scheint gar nicht mehr so fern.

Vorteile der autonomen Mobilität

Die heutige Technologie hat reichlich Potenzial. Die Gesellschaft, der europäische Wirtschaftsstandard sowie die Sicherheit können verbessert werden. Bewegungseingeschränkte und ältere Menschen, können noch besser in die Gesellschaft eingegliedert werden. In einem autonom fahrenden Untersatz kann jeder seine Zeit produktiv nutzen und sich wichtigeren Dingen widmen. Taxis und Busse, die autonom fahren, bieten in Zukunft die Möglichkeit für wenig Geld auch ländlichere Gebiete anzufahren und auch dort die Infrastruktur zu verbessern. Im Idealfall werden alle Motoren und auch der Güterverkehr im effizientesten Modus, das heißt spritsparend und umweltschonend bewegt.

Prognosen zufolge soll sich durch das autonome Fahren auch die Zahl der Unfälle reduzieren. Laut ADAC ist für 90 Prozent aller Unfälle das menschliche Versagen die Ursache.
52 Prozent aller weltweiten Patente für autonomes Fahren kommen aus Deutschland, ganz weit vorn: Continental, Bosch und Audi. Die europäische Industrie spielt also eine ganz zentrale Rolle – Für die Wirtschaft hier in Deutschland ein großer Vorteil.


Vorteile:

  • Höherer Komfort
  • Bessere Umweltbilanz
  • Höhere Sicherheit
  • Steigende Effizienz
Straßenverkehr mit autonomen Fahrzeugen
© kinwun/AdobeStock

Wie weit ist die Technik heute?

Fest steht: Es braucht noch Zeit, bis sich der autonome Verkehr durchgesetzt hat. Im Durchschnitt sind Autos bis zu zwanzig Jahre im Einsatz. Neue Technologien machen sich daher nur allmählich bemerkbar.

Hersteller wie BMW und Mercedes befinden sich bereits im Wettbewerb um den entscheidenden Vorsprung in der autonomen Fahrzeugindustrie. Die Technik in einem autonomen Fahrzeug ist überwiegend von einer Software betrieben. Die Computerindustrie wird enger an die Fahrzeugindustrie gekoppelt, als es bisher der Fall war. Das Fahrzeug benötigt zwar eine ausgeprägte Sensorik, Kameras mit hoher Leistung, Radar, Laser und GPS-Karten, letztendlich muss aber eine intelligente Verknüpfung all dieser Komponenten vorliegen.

Momentan gibt es bereits Test-Fahrzeuge, die im deutschen Straßenverkehr Daten und Bilder sammeln.

Die fünf Stufen des autonomen Fahrens

1. Assistiertes Fahren

Bei dem ersten Level hat der Fahrer stets die Oberhand über sein Fahrzeug, er muss also den Verkehr im Blick behalten und ist verantwortlich für Verkehrsverstöße und Schäden. Einzelne Systeme können bei bestimmten Aufgaben während der Fahrt unterstützen. Das assistierte Fahren ist in vielen Autos heute der Standard. Der Tempomat ist das beste Beispiel: Er behält eine gewählte Geschwindigkeit so lange bei, bis der Fahrer beschleunigt oder bremst.

2. Teilautonomes Fahren

Auch hier muss der Fahrer sein Fahrzeug beherrschen und im Straßenverkehr aufmerksam bleiben. Zudem haftet er für jegliche Verstöße und Schäden im Verkehr. Unter vordefinierten Bedingungen kann das Fahrzeug allerdings die Spur halten, beschleunigen oder bremsen. Zeitweilig kann das Fahrzeug manche Aufgaben selbst ausführen. Auf der Autobahn muss der Fahrer beispielsweise nicht eingreifen. Dazu gehört auch der Überholassistent oder das automatische Einparken, das sich manch einer nicht mehr wegdenken kann. Der Autopilot von Tesla sowie die Lenkassistenz der Mercedes S-Klasse besitzen diese Funktionen.

3. Hochautomatisiertes Fahren

Vorübergehend kann sich der Fahrer auf diesem Level vom Verkehr abwenden. In verschiedenen Anwendungsfällen, die vom Hersteller vorgegeben sind, fährt das Fahrzeug selbstständig. Das System fordert den Fahrer allerdings auch auf, wenn er das Fahrzeug übernehmen muss. Kommt er dieser Aufforderung nicht nach, haftet er für Schäden und Verstöße im Straßenverkehr. Du kannst also dein Fahrzeug in den hochautomatisierten Modus versetzen und dich dann von dem Straßenverkehr abwenden, Zeitung lesen, oder dich mit deinen Kindern auf der Rückbank unterhalten. Der Audi A8 von 2018 erfüllt die Anforderungen des hochautomatisierten Fahrens. Allerdings sind diese Funktionen noch nicht zugelassen.

4. Vollautomatisiertes Fahren

Beim vollautomatisierten Fahren ist der Fahrer auch ein Passagier. Er kann die Führung des Fahrzeuges komplett abgeben. Bestimmte Strecken kann das Fahrzeug völlig selbstständig befahren – und das auch ohne Insassen. Es gibt ein System, das Grenzen frühzeitig erkennt und bei Gefahren rechtzeitig einen sicheren Zustand erreichen kann. In den großen Autokonzernen und auch bei Apple, Google oder Uber arbeiten Ingenieure heute an der Vollautomatisierung des Fahrzeugs. Hier kann das Auto längere Strecken ohne Eingriff zurücklegen, während du am Smartphone bist oder schläfst.

5. Autonomes Fahren

Und was ist dann die fünfte Stufe? Das autonome Fahren bedeutet, dass es keinen Insassen mit einer Fahraufgabe gibt. Das Fahrzeug kann auch ganz ohne Insassen fahren und die Technik im Auto kann alle schwierigen Verkehrssituationen bewältigen. Die Fahrzeuginsassen haften nicht für Schäden und auch Regelverstöße werden ihnen nicht angelastet. Dieses Level vollendet das autonome Fahren. Hier gibt es keine Fahrer mehr, sondern nur noch Passagiere.

Straße im Verkehr
©Jonathan Petersson/pexels

Das autonome Fahren – lang ersehnter Wunsch mit Risiken.


Welche Risiken könnte es geben?

Ein großes Hindernis in Bezug auf das autonome Fahren ist die rechtliche Lage. Im März wurde zwar schon ein Gesetz zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes beschlossen, in dem autonome Fahrzeuge genauer rechtlich bewertet werden, die Lage ist allerdings noch nicht vollständig geklärt. Die Frage nach der Schuld bei Unfällen und Schäden sorgt immer noch für Diskussionsbedarf. Auch der Datenschutz bei autonomen Fahrzeugen ist ein kritisches Thema. Zusätzlich gibt es einige Risiken, die mit dem autonomen Fahren auf uns zukommen werden.

1. Hacker-Angriffe

Autonom fahrende Pkw müssen sich in Zukunft über Schnittstellen mit dem Internet, Satelliten und anderen Autos vernetzen lassen. Das erfordert besonders schnelle und sichere Mobilfunknetze, sodass das Fahrzeug auf Gefahren reagieren und sich auf die anderen Verkehrsteilnehmer einstellen kann. Ein autonomes Fahrzeug, das permanent “online” ist, kann genauso gut gehackt werden wie ein Computer. Denn auch das Fahrzeug der Zukunft wird Software-Updates benötigen. Aber die Gefahr von Hacking ist real – Im Jahr 2015 wurde in den USA als Testaktion ein Jeep mit einem Laptop unter Kontrolle gebracht. Das Fahrzeug wurde mitsamt Insassen in den Straßengraben gelenkt. Der Test sollte beweisen, dass die verbaute Technik von Jeep zu unsicher war.

Mögliche Angriffspunkte für Hacker wären beispielsweise USB-Schnittstellen, Laufwerke für CDs oder auch Keyless-Schlüsselsysteme, die jetzt schon weit verbreitet sind.

2. Wer haftet bei einem Unfall?

Bei einem Unfall, in das ein autonom fahrendes Auto verwickelt ist, ist bisher noch unklar, wer dafür haften muss. Ein neuer Vorschlag besagt, dass der Halter in jedem Fall haften muss, egal ob er die Schuld hat oder nicht. Die Begründung: Das autonome Fahrzeug ist nicht in völliger Eigenregie unterwegs. Es steckt immer eine menschliche Intention hinter jeder Fahrt. Allerdings ist die Lage eine andere, wenn es eine nachweisbare Fehlfunktion des Autos gibt, die zu einem Unfall oder einem Schaden im Verkehr geführt haben.

Die Haftungslage ist also bis heute noch nicht genau bestimmt worden. Für jeden Fall soll in Zukunft aber genau geregelt sein, wer haftet.

Die Maschine und die Moral

Und wenn eine Gefahrensituation bemerkbar wird, das autonome Fahrzeug ausweichen muss und es definitiv zu einem Aufprall kommen wird?

Die Bremsen deines autonomen Fahrzeugs haben versagt und eine Kollision mit einem Hindernis würde deinen Tod bedeuten. Bei einem Ausweichmanöver würde eine Frau, die gerade über die Straße läuft, überfahren werden. Wie soll die Entscheidung ausfallen? Diese und viele weitere Fragen stellen sich die Entwickler und Forscher der autonomen Fahrzeuge. Bereits jetzt, da die Mobilität der Zukunft noch in Planung ist, gerät das autonome Fahren ein wenig in Verruf. Man spricht von einem “moralischen Dilemma”. Wie soll ein Roboter darüber entscheiden, ob im Ernstfall zwei Kinder oder eher zwei Erwachsene sterben sollen?

Die Hersteller weichen diesen ethischen Fragen noch aus. Denn das autonom fahrende Auto ist noch nicht einmal marktfähig. Eines der Argumente der Fahrzeugindustrie ist, dass es im Straßenverkehr in Roboterhand keine Unfälle mehr geben wird.

Futuristische Skyline einer Stadt
© alex-knight/unsplash

Fazit

So weit unsere Technik auch ist und so nah wir am autonomen Fahren dran sind, so fern sind wir der rechtlichen, ethischen und moralischen Regelung. Es gibt noch zu viele offene Fragen, die für eine autonome Zukunft geklärt sein müssen. Zusammenfassend wird unser heutiger Straßenverkehr nur schleppend von autonomen Fahrzeugen ersetzt werden. Was allerdings feststeht: Die autonome Mobilität wird unsere Zukunft bestimmen und ist nicht mehr nur Teil einer Vision. Voraussichtlich wird es 2020 bereits autonome Fahrzeuge im Straßenverkehr geben.


Rechtliches rund ums Fahrzeug