Fahrsicherheitstraining – sicher fahren in jeder Situation

Auf Deutschlands Straßen gibt es jeden Tag überraschende Situationen, mit denen du nicht rechnest. Häufig können diese leider unglücklich enden und es kann zu Personen- oder Sachschäden kommen. Richtig zu reagieren, ist in den meisten Fällen gar nicht so einfach. Mit einem absolvierten Fahrsicherheitstraining ist man vor zukünftigen Ausnahmesituationen im Straßenverkehr gewappnet.

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Schwarzes Auto fährt durch Wasserfontänen
© Horst Schmidt/AdobeStock

Was ist ein Fahrsicherheitstraining?

Das Fahrsicherheitstraining ist eine spezielle Schulung, die für Fahrer von Kraftfahrzeugen angeboten wird. Anfang der 70er Jahre wurde das Fahrsicherheitstraining vom ADAC, der Verkehrswacht und verschiedenen Automobilherstellern als Teil der Verkehrssicherheitsarbeit festgelegt. Fahrsicherheitszentren sind künstlich angelegte Areale, auf denen die verschiedenen Trainings durchgeführt werden. Es gibt Anlagen speziell für PKW und Motorräder, aber auch solche, die auf besondere Anforderungen für Rettungs- und Bergungsdienste angelegt sind. Auf diesen Übungsgeländen werden, über einen oder mehrere Tage hinweg, kritische Situationen aus dem Straßenverkehr simuliert. Ein Training beinhaltet auch Fälle, die in unterschiedlichen Witterungsbedingungen auftreten können. So wird das rechtzeitige Erkennen dieser Situationen sowie vorausschauendes Fahren gefördert. Das Motto:

“Gefahren erkennen. Gefahren vermeiden. Gefahren bewältigen.”

Der Fahrer wird während des Kurses für die Wirkungsweise der Fahrzeugtechnik (ABS, ESP, etc.) sensibilisiert, was die Fahrzeugbeherrschung positiv beeinflusst.

Veranstalter

Als größter Veranstalter des Fahrsicherheitstrainings gilt der ADAC mit über 60 Trainingsplätzen in Deutschland. Die Verkehrswacht veranstaltet für die Berufsgenossenschaften ebenfalls verschiedene Trainings. Auch Automobilhersteller wie BMW, Opel und Mercedes-Benz bieten Trainings in Form von Erlebnis-Events an, die sich besonders auf den Fahrspaß während des Kurses konzentrieren. Teilnehmer können dabei auch die neuen Modelle der Hersteller testen.

Eigenschaften eines Fahrsicherheitstrainings

Auch wenn die vielen Vorteile eines Fahrsicherheitstrainings überwiegen: Die mitunter hohen Teilnahmegebühren sind ein Nachteil. Meist lohnt sich die Investition aber, da die Trainings langfristig Fähigkeiten vermitteln, die den Verkehrsalltag sicherer machen.

  • Gefahrensituationen vermeiden: Durch die Simulation von realistischen, kritischen Situation aus dem Verkehrsalltag weißt du genau, wann du in Zukunft besonders aufmerksam sein solltest.
  • Ernstfälle meistern: Kommt es dann doch zu einer brenzligen Situation im Verkehr, hast du gelernt, wie du am besten damit umgehen kannst, um schlimmeres zu vermeiden.
  • Mehr Fahrzeugbeherrschung: In vielen Kursen wird auch das Fahren bei unangenehmen Wetterbedingungen trainiert, sodass du sicherer in deinem eigenen Fahrzeug wirst und immer die Kontrolle behältst.
  • Größere Freude am Fahren: Bei Events mit dem Fokus auf Fahrsicherheit kannst du aus einem großen Pool von Angeboten wie Offroad-Training im Sommer oder Winter wählen, bei denen der Spaß garantiert ist!
  • Trainingsprogramme für jedes Fahrzeug und jeden Fahrer: Der ADAC bietet für fast jedes Kraftfahrzeug Trainings mit individueller Konzentration auf den Fahrer an.
  • Beitragsnachlass bei Kfz-Versicherung möglich: Wer ein Fahrsicherheitstraining absolviert hat, hat bei manchen Versicherungen die Chance auf einen Nachlass.
  • Mehr Sicherheit für Fahranfänger: Fahranfänger können an einem Fahrsicherheitstraining teilnehmen, um sich auf die Straßen vorzubereiten.
Weißes Auto fährt bei Schnee um Kurve
© joakim-honkasalo/unsplash

Wann ist ein Fahrsicherheitstraining sinnvoll?

“Ich bin ein guter Autofahrer!”

Eine oft geäußerte Aussage, die allerdings als Ausrede gegen ein Fahrsicherheitstraining nicht gilt. Denn viele Situationen können im Alltag nicht mehrmals durchlaufen und geübt werden. Wer denkt, dass solche Trainings nur etwas für Fahranfänger seien, irrt: auch der routinierte und langjährige Autofahrer kann nicht auf jede Situation vorbereitet reagieren. Auf dem Übungsgelände hat man, anders als auf der Straße, auch die Chance an seine eigenen Grenzen zu gehen. Da kommt auch der ein oder andere Vielfahrer ins Schwitzen!

Welche Kurse gibt es und für wen eignen sie sich?

Du kannst aus einem sehr großen Angebot genau den Kurs wählen, der zu dir und deinem Fahrzeug passt. Wenn du noch kein eigenes Fahrzeug besitzt, hast du auch die Möglichkeit, dir eines beim Veranstalter zu leihen. Grundsätzlich musst du im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis sein. Ohne einen Führerschein kann das Sicherheitstraining nicht absolviert werden.

PKW – Kurse für Privatpersonen oder Fahranfänger, die ihre Fahrsicherheit in ihrem eigenen Auto verbessern wollen.

Motorräder – Auf zwei Rädern ist man oft einer größeren Gefahr ausgesetzt, deshalb ist es besonders wichtig, sicher auf seinem Motorrad zu sein.

Geländewagen – Manövrieren in Schräglage, einen Steilhang sicher hinunter fahren oder über schwer befahrbaren Untergrund cruisen – in diesen Kursen lernst du jegliche Hindernisse zu überwinden.

Mögliche Kurse innerhalb der Kategorien: Basis-Training, Aufbau-Training, Wohnmobil-Training, Training für Wohnwagen und andere PKW-Gespanne, Junge Fahrer-Training, Generation-Plus-Training.

Besonders für junge Fahrer und Fahranfänger bietet sich ein Fahrsicherheitstraining an, um die Reaktion des Autos in bestimmten Situationen im sicheren Umfeld einmal erleben zu können. Aber auch für erfahrene Fahrer kommt ein Sicherheitstraining in Frage, da technische Neuerungen anfangs schwer einzuschätzen und nicht immer klar anwendbar sind.

Motorrad fährt um Hütchen
© AlamoChicken/AdobeStock

Vorbereitung auf das Fahrsicherheitstraining

Vor einem Fahrsicherheitstraining sind besonders Fahranfänger sehr nervös und unsicher. Sie beherrschen ihr Fahrzeug noch nicht gut, was zu einer noch größeren Unsicherheit führt. Solltest du Fahranfänger sein, hast du die Möglichkeit, eine Begleitperson mit zum Sicherheitstraining zu nehmen. Vorher kannst du auch auf dem Verkehrsübungsplatz oder in einer sicheren Umgebung mit einem erfahrenen Mitfahrer ein paar Runden drehen. In manchen Fahrsicherheitszentren kann deine Begleitperson auch bei den Übungen mitfahren. Das solltest du aber vorher mit dem Veranstalter abklären, denn dadurch können weitere Gebühren entstehen.

Im optimalen Fall werden die vorhandenen Ängste während des Fahrsicherheitstrainings abgebaut und die Sicherheit hinter dem Steuer erhöht.

Wenn du mit deinem eigenen Fahrzeug an einem Sicherheitstraining teilnimmst, muss es auch verkehrstauglich sein und den Vorschriften der StVO entsprechen. So solltest du den Öldruck, den Benzinstand sowie den Reifendruck und den allgemeinen Zustand der Reifen überprüfen. Es müssen die für die Jahreszeit passenden Reifen mit ausreichender Profiltiefe montiert sein. Abgenutzte Reifen machen die Reaktion des Fahrzeugs unvorhersehbar, deshalb solltest du genau checken, ob dein Fahrzeug vielleicht eine neue Bereifung braucht. Wenn du im Sommer am Training teilnimmst, prüfe auch das Kühlwasser und im Winter das Frostschutzmittel.

Neben dem praktischen Auto- oder Motorrad-Fahrtraining gibt es auch einen theoretischen Teil.

Da du längere Zeit im Fahrsicherheitszentrum sein wirst, kannst du über den Veranstalter in Erfahrung bringen, ob es vor Ort eine Verpflegung gibt. In vielen Fahrsicherheitszentren ist das der Fall, trotzdem sollte das vor der Teilnahme geklärt werden.

Möglicher Ablauf eines PKW-Trainings

Die Basis-Trainings für den PKW laufen meistens ähnlich ab. Es werden nach einem Theorieteil Übungen mit mehreren Wiederholungen durchlaufen.

Zunächst werden einige Vorbereitungen getroffen. Die Sitz- und die Armposition sind sehr wichtig für das spätere Training. Der Fahrersitz hat im Idealfall einen Winkel von 110 Grad. Der Arm sollte einen Winkel von 90 Grad zum Lenkrad haben.
Daraufhin können verschiedene Übungen zur Vollbremsung erfolgen, auch das Bremsen bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Fahrbahnbelägen wird getestet.
Bei Slalom- und Kurvenfahrten wird das richtige Handling des Fahrzeugs geübt.
Das Rückwärtsfahren um Hindernisse steht ebenfalls auf dem Programm, denn viele Fahrer haben Probleme, ihr Fahrzeug über eine längere Strecke rückwärts zu manövrieren.
Die Teilnehmer müssen mit ihrem Fahrzeug Hindernissen geschickt ausweichen.
Auf dem Übungsplatz gibt es eine spezielle Bodenplatte, die dafür sorgt, dass das Heck zur Seite weg schleudert. Das Gegensteuern soll hier geübt werden.
Lenker und Armatur eines Motorrads
© Andrey Armyagov/Fotolia

Möglicher Ablauf eines Motorrad-Trainings

Seitdem es Fahrsicherheitstrainings gibt, existieren auch Trainings für Motorräder. Das Fahren auf zwei Rädern ist um einiges gefährlicher als in einem Auto, deshalb sind Sicherheitstraining besonders für Biker empfehlenswert.

Bei extrem langsamer Geschwindigkeit soll der Motorradfahrer die Balance halten und das Motorrad sicher weiter steuern.
Bei diesen Übungen wird das sichere Bremsen und Lenken zum Beispiel mit Hilfe der Lenkimpulstechnik gefordert.
Die “Schwingtechnik” wird hier gelernt und geübt, sodass das Fahren in kurvenreichen Gebieten einfacher wird.
Die Kopfhaltung und Blickrichtung ist beim Fahren im Kreis wichtig, da sie die Balance in engen Kurven beeinflussen. In dieser Übung lernst du, worauf du genau achten musst.
Um die Koordination und Balance zu fördern, sollen die Teilnehmer hier zum Beispiel einbeinig fahren oder sich während der Fahrt auf den Tank setzen.

Kosten

Die Kosten sind je nach Veranstalter, Fahrzeug und Kurswahl unterschiedlich. Der Preis ist auch abhängig von dem Übungsgelände, auf dem das Training absolviert werden soll.

Beim ADAC beginnen die Preise bei ca. 99 Euro für das Basis- und das Fahranfänger-Training. Das Perfektionstraining liegt mit ca. 195 Euro preislich am höchsten, ist aber auch nur etwas für sehr fortgeschrittene Fahrer, die ihrem Fahrstil den letzten Schliff verleihen wollen. Fahrsicherheits-Events wie die Audi oder BMW “Driving Experience” sind oft mit Reisen verbunden und daher weitaus teurer.

Am besten informierst du dich bei verschiedenen Anbietern und Veranstaltern über die Preise und Angebote. Oft gibt es auch Gutscheine und Aktionen.

Fahranfängerin im Auto
© samuel-foster/unsplash

Ein Fahrsicherheitstraining verleiht dir die Fähigkeit, bewusst zu fahren und Gefahrensituationen zu meiden.


Gut zu wissen – Fahrsicherheit und Erlebnisevent in einem

Viele Automobilhersteller wie BMW, Mercedes-Benz und Jaguar bieten ein Sicherheitstraining in ihren Fahrzeugmodellen an. Zusätzlich zu den basic Trainings gibt es hier auch noch die Möglichkeit, an Kursreisen teilzunehmen. Zum Beispiel bietet Mercedes ein “Driving Event” in der Schweiz bei Schnee und Eis an. Hier kann man auf unwegsamem Terrain, unter schwierigen Witterungsbedingungen an seine Grenzen gehen – gezielte Schulung und Fahrspaß vereint.

Fazit

Auch nach mehreren Jahren Fahrerfahrung und wechselnden Fahrzeugen, ist es ratsam, immer wieder einmal ein Fahrsicherheitstraining durchzuführen. Du hast die Möglichkeit verschiedene Gefahrensituationen zu erleben und gewinnst mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Es lohnt sich daher in jedem Fall in die Fahrsicherheit zu investieren.

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