Rettungsgasse richtig bilden – so kannst du Leben retten!

Nahezu jeder, der schon mal auf den deutschen Autobahnen unterwegs war, hat wahrscheinlich bereits die Bildung einer Rettungsgasse erlebt. Einige von uns haben miterlebt, wie plötzlich der chaotische Stau zu einem synchronisierten Tanz wird, in dem alle Autos nach rechts und links fahren, um zwischen den Spuren Platz für Rettungsfahrzeuge zu schaffen. Aber wie geht das am einfachsten? Wann muss man Platz machen? Und warum macht es überhaupt Sinn, eine Rettungsgasse zu bilden? Damit deine Fragen nicht unbeantwortet bleiben und du beim nächsten Stau zum Autobahn-Helden wirst, haben wir für dich alles gesammelt, was du unbedingt rund um die Rettungsgassen in Deutschland wissen solltest.

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Was ist eine Rettungsgasse?

Der Begriff “Rettungsgasse” lässt sich in der deutschen Straßenverkehrsordnung nicht finden, denn amtlich wird sie als “freie Gasse” bezeichnet. Allgemein versteht man aber unter Rettungsgasse den bei Stau oder hohem Verkehrsfluss von Verkehrsteilnehmern geschaffenen Fahrweg für Rettungskräfte. Auf der Autobahn kommt es häufig vor, dass sich mehrere Kilometer Stau bilden und kein Auto mehr durchfahren kann. Wenn ein Unfall stattgefunden hat, haben Feuerwehrkräfte, Rettungssanitäter, Notärzte und die Polizei dieses Problem auch. Große Verkehrsbehinderungen können zu gravierenden Folgen führen, wenn es verletzte Menschen am Unfallort gibt. Bei einem Unfall auf der Autobahn zählt jede Sekunde, wenn es um Leben und Tod geht. Aus diesem Grund hat sich der Gesetzgeber dafür entschieden, ein Gesetz zu verabschieden, das den Verkehr bei Notsituationen regelt.

Warum macht sie Sinn?

Im Jahr 2014 hat die Anzahl von PKWs, LKWs und anderen Nutzfahrzeugen insgesamt 61,5 Mio. erreicht. Experten gehen davon aus, dass diese Anzahl jährlich um 700.000 Fahrzeuge gestiegen ist. Darum wundert es nicht, dass sich auf deutschen Autobahnen häufig Kilometer von Stau bilden.

Am 17. Juli 2019 kam es auf der Autobahn A6 in der Nähe von Heilbronn zu einem schweren Verkehrsunfall, bei dem ein Fahrer eines Transporters starb. Als die Rettungswagen versucht haben, an die Unfallstelle zu gelangen, kam es zu zahlreichen Behinderungen durch andere Autofahrer. Die Rettungskräfte trafen vor Ort auf zahlreiche Autos, die die Rettungsgasse entweder falsch gebildet oder die Feuerwehrautos sogar blockiert haben. Die Polizei hat mit einem Videofahrzeug alle Verstöße aufgezeichnet, sodass am Ende des Tages 67 Autofahrer eine Bußgeldstrafe von bis zu 200 Euro bekamen. Man geht davon aus, dass die Summe aller Bußgelder 9.000 Euro erreicht hat.

Wie soll man eine Rettungsgasse bilden?

Vergiss nicht: bei einem Stau auf mehrspurigen Straßen sind alle Autofahrer verpflichtet, eine Rettungsgasse freizumachen. Das Prinzip ist einfach und bedarf keiner großen Überlegung, denn die Rettungsgasse bildet man, indem alle Autos jeweils nach links oder rechts fahren, um eine freie Fahrbahn zwischen zwei Spuren zu schaffen. In der Theorie funktioniert es, in der Praxis aber leider nicht immer. Darum solltest du bei einem Unfall zuerst überlegen, wo du bist und wohin du fährst. Wenn du auf dem linken Fahrstreifen fährst, dann solltest du unbedingt nach links fahren. Alle andere Streifen sollten immer nach rechts fahren. Die Anzahl von Fahrstreifen spielt keine Rolle, denn das Prinzip ist immer das Gleiche.

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Es kann sehr teuer werden

Bei einer Behinderung des Verkehrs erwartet dich eine Bußgeldstrafe in Höhe von bis zu 200 Euro und zwei Punkte in Flensburg.


Wann muss sie gebildet werden?

Eine Rettungsgasse ist nicht erst dann zu bilden, wenn sich Einsatzfahrzeuge von hinten nähern, sondern bereits dann, wenn der Verkehr stockt. Ein späteres Bilden der Rettungsgasse ist aufgrund von Platzmangel oft nicht mehr möglich und führt in der Regel zu Blockaden. Es ist besonders wichtig, frühzeitig zur entsprechenden Seite zu fahren. So trägst du dazu bei, dass hilfsbedürftige Personen schnellstmöglich Hilfe erhalten. Bei Annäherung an einen Stau darf das Warnblinklicht eingeschaltet werden, um andere vor dieser Gefahr zu warnen. Achte auf die Verkehrsmeldungen und kommuniziere mit den anderen Fahrern.

Schwer zu merken?

Kein Problem, wir helfen. Denke nächstes Mal einfach daran: Autos auf der linken Spur fahren nach links, die auf allen übrigen Spuren nach rechts. Als Merkhilfe kann die sogenannte „Rechte-Hand-Regel“ dienen. Wenn man die rechte Hand vor sich mit der Handinnenfläche nach unten hält, so zeigt der Daumen der rechten Hand immer die linke Fahrspur, indem alle anderen Finger die anderen Fahrspuren darstellen. Der Daumen geht nach links, der Rest bleibt rechts. Dabei symbolisiert der Daumen die linke Spur, wo die Autos nach links fahren sollen und alle anderen „Finger“ gehen nach rechts. Die Rettungsgasse liegt zwischen Daumen und Zeigefinger.

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Bin ich dazu verpflichtet, eine Rettungsgasse zu bilden?

Um Unfallfahrzeugen zu ermöglichen, schneller an den Einsatzort zu kommen, wurde die Regelung zur Bildung einer Rettungsgasse in Paragraf 11 Absatz 2 der StVO vorgeschrieben. Am Anfang gab es bei einem Fahrfehlverhalten nur eine minimale Strafe in Höhe von bis zu 20 € . Da die Anzahl von Vorfällen, bei denen die Rettungskräfte durch das Nicht-Bilden von Rettungsgassen blockiert worden sind jedoch gestiegen ist, wurden die Bußgelder in Deutschland angepasst, sodass die minimale Strafe 200 € erreicht hat und man zusätzlich 2 Punkte in Flensburg bekommt

Bußgelder in Deutschland

Tatbestand Bußgeld Punkte Fahrverbot
Bei stockendem Verkehr auf einer Autobahn oder Außerortsstraße für die Durchfahrt von Polizei- oder Hilfsfahrzeugen keine vorschriftsmäßige Gasse gebildet.
200 €
-
-
mit Behinderung
200 €
2
1 Monat
mit Gefährdung
200 €
2
1 Monat
mit Sachbeschädigung
200 €
2
1 Monat

So wirst du ein Held auf der Autobahn

  • Bilde die Rettungsgasse, wenn sich Fahrzeuge mit Sondersignalen nähern.
  • Auf Autobahnen mit mindestens zwei Spuren muss eine Rettungsgasse dann gebildet werden, wenn der Verkehr ins Stocken gerät.
  • Autofahrer sollen die Geschwindigkeit reduzieren und herausfinden, wie schnell sich die Einsatzkräfte nähern.
  • Achte trotzdem auf die Verkehrsregeln, z.B. erst den Blinker setzen, wenn man zur Seite fährt. Sonst drohen weitere Unfälle.
  • Halte Abstand zum Fahrzeug vor dir. Falls die Rettungswagen mehr Platz als erwartet brauchen, hast du noch Spielraum.
  • Wer auf der äußerst linken Spur fährt, weicht nach links aus. Wer auf der mittleren oder rechten Spur unterwegs ist, fährt nach rechts.
  • Für vierspurige Autobahnen gilt das gleiche Prinzip: Autofahrer auf den äußersten linken Spur fahren nach links, die auf den übrigen Spuren nach rechts.
  • Die Standspur auf Autobahnen ist freizuhalten.
  • Prüf vor der Weiterfahrt, ob nicht noch weitere Rettungsfahrzeuge unterwegs sind.
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Überholen mit dem Motorrad erlaubt?

Immer wieder werden Stimmen laut, Motorradfahrern das Durchfahren im Stau zu erlauben – entweder durch die Rettungsgasse zwischen zwei Fahrspuren oder auf dem Seitenstreifen. Doch der deutsche Gesetzgeber hat mehrfach entschieden, dass das Durchfahrverbot bleibt. Motorradfahrer sollten sich also aus juristischer Sicht weiterhin wie ein Auto einordnen und hoffen, dass sich der Stau bald auflöst.


Fazit

Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge ohne Ausnahme für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden. So entsteht neben der ganz linken Spur eine breite Rettungsgasse, durch die die Einsatzfahrzeuge zum Unfallort gelangen können. Nach der Durchfahrt des ersten Einsatzfahrzeugs sollten Autofahrer die Rettungsgasse weiter freihalten. Danach können weitere Fahrzeuge folgen.

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